Lübecker Ärztenetz: Vorsicht Pollenalarm!

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Allergische Rhinitis (Heuschnupfen)

Unter dem Überbegriff der Rhinitis werden die saisonale allergische Rhinitis (Heuschnupfen), die ganzjährige (perenniale) allergische Rhinitis (Hausstauballergie) und die berufsbedingte allergische Rhinitis zusammengefasst. Die Erkrankung beginnt meistens im frühen Kindesalter und führt jahrzehntelang zur Beeinträchtigung der Lebensqualität. Die gesundheitlichen Auswirkungen betreffen das Sozialleben, die schulische Leistungsfähigkeit und die Arbeitsproduktivität. Je nach Quelle wird der Anteil an kranken Kindern und Jugendlichen in Deutschland zwischen 15 bis über 30 Prozent beziffert _(Quelle Wikipedia)_.

Entstehung

Die allergische Rhinitis beginnt mit einer Sensibilisierung gegenüber einem Allergen(beispielsweise Pollen oder Hausstaubmilben), bei der noch keine Symptome auftreten. Einfach ausgedrückt lernt das Abwehrsystem den vermeintlichen Feind beim ersten Kontakt kennen, um ihn beim Zweitkontakt zu bekämpfen. Die typischen Reaktionen des Körpers Rötung, Jucken, Niesen und die laufende Nase werden durch Histamin und die Leukotriene ausgelöst.

Diagnostik

Die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) ist ein wichtiges Instrument zur Diagnosestellung der allergischen Rhinitis. Die Allergene können dann anhand des Prick-Hauttestes identifiziert (erkannt) werden. Liegt eine Überempfindlichkeit (Sensibilisierung) gegen einen oder mehrere Stoffe vor, zeigt sich innerhalb von 20 Minuten eine Rötung der Haut mit Quaddelbildung.

Therapie

Die Behandlung der allergischen Rhinitis steht auf drei Säulen: der Karenz (Meidung des Allergens), der Pharmakotherapie (Behandlung der Symptome mit akut wirksamen Arzneimitteln) und der spezifischen Immuntherapie (langfristige Ausschaltung der allergischen Reaktion). Dabei ist es von Vorteil, möglichst früh in das Erkrankungsgeschehen einzugreifen, weil dadurch Neusensibilisierungen vermieden werden und die Entstehung von Asthma verhindert werden kann. Zwar ist die allergische Rhinitis eine chronische Erkrankung, aber ihr Verlauf kann unter einer adäquate Therapie gestoppt und oft sogar geheilt werden. Jedoch befindet sich nur ein Bruchteil der Betroffenen in ärztlicher Behandlung.

Karenz

Karenz von Allergenen ist die Vermeidung der allergieauslösenden Stoffe. Bei manchen Stoffen wie Tierhaare ist das verhältnismäßig einfach, der Kontakt zu Katzen oder Hunden kann meist umgangen werden. Bei einer Hausstaubmilbenallergie führt eine Sanierung des Bettes (zum Beispiel mit geeigneten EncasingBezügen) und eine häufigere Reinigung und Lüftung des Schlafraums oft zur Besserung. Bei Pollenallergien empfiehlt es sich, nach einem Aufenthalt im Freien die Kleidung vor dem Betreten des Schlafraums zu wechseln und die Haare zu waschen. Freizeitliche Betätigungen im Freien sollten nach Möglichkeit auf die Zeit nach einem kräftigen Regenschauer gelegt werden.

Pharmakotherapie

Antihistaminika verhindern die symptomauslösende Wirkung von Histamin. Sie können lokal als Nasenspray appliziert (eingebracht) werden oder systemisch (zur innerlichen Anwendung) in Tablettenform. Moderne Antihistaminika wirken nicht wie Antihistaminika der ersten Generation sedierend (ermüdend).

Topische Glukokortikoide (Cortison) stellen die effektivste Arznei zur Behandlung der allergischen Rhinitis dar. Sie unterdrücken alle nasalen Symptome, vor allem auch die Obstruktion (Verstopfung), die durch die Antihistaminika kaum beeinflusst wird. Die topischen (von außen angewandten) Glucokortikoide unterdrücken die Funktion der Nebennierenrinde nicht.

Systemische Kortikoide können am Anfang einer Behandlung sinnvoll sein, sollten aber nur zeitlich begrenzt gegeben werden, da sonst Nebenwirkungen wie beispielsweise Diabetes mellitus auftreten können.

Immuntherapie (SIT)

Eine spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt, zielt auf eine dauerhafte Unempfindlichkeit gegen den Allergieauslöser ab. Sie sollte so früh wie möglich begonnen werden, da sie vor allem bei Personen mit einer oder wenigen Allergien wirksam ist. Kinder können in der Regel ab dem fünften Lebensjahr mit einer SIT behandelt werden. Die SIT wird in der Regel über drei Jahre durchgeführt. Grundsätzlich wird zwischen einer subkutanen spezifischen Immuntherapie (SCIT) und einer sublingualen spezifischen Immuntherapie (SLIT) unterschieden. Bei der SCIT werden die Präparate an der Rückseite des Oberarms injiziert, bei der SLIT werden sie unter die Zunge getropft.

Sublingual zu applizierende Präparate werden üblicherweise vom Patienten zu Hause eingenommen, während die SCIT beim Arzt in der Praxis durchgeführt wird. Wenn die Erhaltungsdosis (maximale Dosis) erreicht worden ist, wird sie etwa alle vier, bei einzelnen Präparaten bis acht Wochen erneut gespritzt.

Für einzelne Präparate mit intakten Allergenen, ist ein positiver Effekt auf die Vorbeugung gegen allergisches Asthma und ein Langzeiteffekt über das Therapieende hinaus belegt.

Pollenflugkalender

Der Pollenflugkalender ist unter diesem Beitrag zusätzlich als .pdf zum Download angehängt.

Die Mitglieder Lübecker Ärztenetzes stehen Ihnen bei allen weiteren Fragen zum Thema Allergie jederzeit gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Vorsicht_Pollenalarm-Pollenflugkalender.pdf

Autor(en)

Dr. med. Frank Eberhardt
Facharzt für Innere Medizin/ SP Pneumologie
Schlafmedizin/ Allergologie
Pneumologische Schwerpunktpraxis Lübeck
Moislinger Allee 2c 23558 Lübeck
T: 0451/ 81281 Fax: 0451/865866
http://www.pneumopraxis-luebeck.de
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Veröffentlicht am 16.04.2013.

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