Lübecker Ärztenetz: Laborinformation EHEC

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Enterohämorrhagischer Escherichia coli

Erreger

Escherichia coli kommen im Darm von Mensch und Tier vor und sind in der Regel harmlos. Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) stellen eine gefährliche Sondergruppe dieser Darmbakterien dar und kommen normalerweise nicht im menschlichen Darm vor. Sie können durch Abgabe von Shiga-Toxinen (=Zellgifte) beim Menschen schwere Krankheitserscheinungen hervorrufen. Am häufigsten werden in Deutschland die Serovare 0 157,0 111, 0 26, O 103 und 0 145 nachgewiesen.Der Erreger wird in der Regel für 5 bis 20 Tage im Stuhl ausgeschieden, in Einzelfällen kann er jedoch über Wochen bis Monate nachgewiesen werden.h4. Inkubationszeit2-10 Tage.Die Symptome EHEC-assoziierter HUS-Erkrankungen beginnen ca. 5-12 Tage nach Beginn des Durchfalls.

Krankheitsbild

Die Mehrzahl der EHEC-Infektionen verläuft inapparent (symptomlose Keimträger). Als häufigstes Symptom tritt wässriger Durchfall auf, der oftmals mit kolikartigen Bauchschmerzen, Erbrechen und leichtem Fieber einhergeht. In etwa 20% der Fälle treten blutige Durchfälle auf, bei etwa 5 bis 10% der Erkrankten, insbesondere bei Kindern im Vorschulalter, entwickelt sich als lebensbedrohliche Komplikation ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS). Etwa 1 bis 5% der Fälle von HUS verlaufen tödlich.

Übertragungswege

EHEC-Bakterien zeichnen sich durch eine hohe Infektiosität aus. Eine Übertragung von wenigen 100 Bakterien kann ausreichen, um beim Menschen eine Infektion auszulösen.Das Hauptreservoir des Erregers bilden Wiederkäuer, vor allem Rinder, aber auch Schafe und Ziegen. Dabei handelt es sich stets um die unbeabsichtigte orale Aufnahme von Fäkalspuren, wie z.B. bei Kontakt zu Wiederkäuern oder beim Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Darüber hinaus können EHEC durch kontaminiertes Wasser (z.B. beim Baden) übertragen werden. Auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind möglich (fäkal-orale Schmierinfektion).

Diagnostik

Der Nachweis von Shiga-Toxinen erfolgt aus dem Stuhl und muss ausdrücklich angefordert werden. Aufgrund der Meldepflichtigkeit des Erregers kann folgende Ausnahmekennziffer verwendet werden: 32006.

Therapie

Die Behandlung der EHEC-Infektion erfolgt symptomatisch. Eine antibiotische Therapie wird nicht empfohlen, da es hierdurch zu einer verstärkten Freisetzung der Toxine und dadurch zu einer Verschlimmerung des Krankheitsbildes kommen kann. Schwere Erkrankungen müssen im Krankenhaus behandelt werden, um auftretende Komplikationen frühzeitig zu erkennen.Die Behandlung des HUS erfolgt nur symptomatisch und erfordert bei ausgeprägter Niereninsuffizienz die Durchführung von Dialysemaßnahmen.

Vermeidung der Weiterverbreitung - Maßnahmen für Patienten, Ausscheider und Kontaktpersonen

Die Übertragung von EHEC-Bakterien von Erkrankten auf Gesunde im Rahmen einer fäkal-oralen Schmierinfektion muss durch eine effektive Händehygiene verhütet werden (nach dem Toilettengang, vor der Zubereitung von Speisen). Während der Erkrankungsdauer ist eine regelmäßige Desinfektion von Handkontaktflächen (z.B. Gegenstände, Flächen, Sanitäranlagen) durchzuführen, die mit infektiösen Ausscheidungen des Kranken in Berührung gekommen sind oder sein könnten.

Umgang mit Lebensmitteln

Rohe Lebensmittel tierischer Herkunft und andere leicht verderbliche Lebensmittel (z.B. Fleisch, Mettwurst, Wurstaufschnitt, Milch und Milcherzeugnisse, Feinkostsalate) sollten stets bei Kühlschranktemperatur gelagert werden. Mögliche Schmierinfektionen durch Auftauwasser tiefgefrorener Lebensmittel sind zu vermeiden (Auftauwasser sofort beseitigen, kein Kontakt mit Arbeitsflächen und anderen Lebensmitteln; ggf. Reinigung mit heißem Wasser; Händewaschen).

Rohmilch muss immer abgekocht werden. Auch Vorzugsmilch muss für die Abgabe an Gemeinschaftseinrichtungen ausreichend erhitzt werden. Pasteurisierte und ultrahocherhitze Milch und Milchprodukte sind unbedenklich.h4. Hygiene in Streichelzoos oder auf Bauernhöfen mit Publikumsverkehr

  • Handwaschmöglichkeiten sowie Einmaltücher sollten in der Nähe der Tiere vorhanden sein.
  • Besucher sollten sich nach dem Kontakt mit Tieren und vor dem Essen die Hände waschen.
  • Kinder sollten beim Umgang mit den Tieren eng beaufsichtigt werden, um zu verhindern, dass sie gleichzeitig essen oder die Finger in den Mund stecken

Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen nach klinischer Genesung

Wenn bei 3 im Abstand von 1 bis 2 Tagen untersuchten Stuhlproben negative Befunde vorliegen, ist eine Wiederzulassung im Regelfall möglich. Ein schriftliches Attest ist erforderlich.

Meldepflicht

Für den Krankheitsverdacht, die Erkrankung und den Tod an HUS besteht gegenüber dem Gesundheitsamt eine namentliche Meldepflicht. Ebenso ist eine Häufung gemäß §6 IfSG meldepflichtig. Darüberhinaus sind mikrobiologische Nachweise seitens des Labors namentlich meldepflichtig.Bei EHEC-Ausbrüchen sind alle Verdachts-, Krankheits- und Todesfälle meldepflichtig (auch ohne HUS).

Autor(en)

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Veröffentlicht am 15.03.2012.

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