Lübecker Ärztenetz: Impfen schützt - jeden Einzelnen und die Gemeinschaft

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Viele Erkrankungen, die in Deutschland nur noch selten vorkommen, sind in anderen Teilen der Welt noch immer verbreitet.

Der menschliche Körper verfügt mit seiner körpereigenen Abwehr, dem Immunsystem, über komplexe Schutzmechanismen gegenüber Krankheitserreger wie Bakterien und Viren. Auf* Viren und Bakterien reagiert das Immunsystem mit mehreren Abwehrstrategien. Die Bildung von Abwehrstoffen, so genannten Antikörpern, ist eine davon. Antikörper helfen bei der Abwehr von Krankheitserregern und verhindern so eine unkontrollierte Ausbreitung im Körper.

Gleichzeitig bildet der Körper auch Zellen, die sich Merkmale der eindringenden Erreger merken – so genannte Gedächtniszellen. Bei einem späteren Kontakt mit den gleichen Krankheitserregern sind diese Gedächtniszellen in der Lage, blitzschnell die Bildung von passenden Antikörpern zu veranlassen. Dadurch können die Erreger, die der Körper bereits kennt, sofort unschädlich gemacht werden.

Dieser Prozess wird bei einer Impfung nachgeahmt. Mit dem Impfstoff werden dem Körper abgetötete oder abgeschwächte Krankheitserreger präsentiert, die die Erkrankung jedoch nicht auslösen. Dennoch reagiert der Körper mit der Bildung von Antikörpern und Gedächtniszellen, die bei einem Kontakt mit dem echten Krankheitserreger sofort reagieren können. Der Körper kann die Erkrankung dann schnell abwehren - er ist immun gegen diesen Erreger.

Ein sicherer Impfschutz besteht, wenn eine Schutzimpfung vollständig durchgeführt ist. Das bedeutet bei vielen Impfungen, dass mehrere Impfdosen in bestimmten Zeitabschnitten verabreicht werden müssen. In kinder- und hausärztlichen Praxen wird in der Regel nach dem Impfschema geimpft, das von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen wird und internationalen Standards entspricht. Einige Impfungen müssen zudem im Jugend- und/oder Erwachsenenalter aufgefrischt werden.

Übliche und natürliche Impfreaktionen sind eine Rötung oder Schwellung der Impfstelle. Dies kommt, je nach Impfstoff, bei ungefähr zwei bis 20 Prozent aller Geimpften vor. Diese harmlosen Impfreaktionen direkt an der Einstichstelle zeigen, dass der Körper auf die Impfung reagiert. Solche lokalen Impfreaktionen sind ungefährlich und klingen nach wenigen Tagen wieder ab.

In Deutschland besteht ein umfassendes Überwachungssystem, das Impfkomplikationen erfasst, die stärker sind als das übliche Maß. Jeder Verdacht einer außergewöhnlichen Impfreaktion wird durch gesetzlich geregelte Meldesysteme sorgfältig analysiert und untersucht.

Seit es Impfungen gibt, gibt es auch Menschen, die dem skeptisch gegenüberstehen. In Deutschland gibt es keine Impfpflicht, sodass jeder für sich und seine Kinder selbst abwägen muss, ob er das Risiko einer schweren Erkrankung mit möglichen Folgeschäden in Kauf nimmt, oder das Risiko von Nebenwirkungen des Impfstoffes, das – wie viele Untersuchungen und jahrzehntelange Erfahrung zeigen – sehr gering ist.

Manche Impfgegner glauben, dass eine durchgemachte Kinderkrankheit den Organismus des Kindes stärken würde. Hohes Fieber über viele Tage schwächt aber jeden Körper. Und mögliche Folgen, wie eine Gehirnentzündung bei Masern, die zu einer lebenslangen geistigen Behinderung führen kann, werden oft außer Acht gelassen.

Ein weiteres Argument gegen Impfungen sehen Impfgegner auch darin, dass manche Kinder gefährliche Infektionskrankheiten im Laufe ihrer Kindheit nicht bekommen haben, obwohl sie nicht geimpft waren. Das liegt allerdings meist daran, dass ein großer Teil der Bevölkerung geimpft ist und die Erkrankung nur deshalb kaum noch vorkommt. Und: Infektionskrankheiten kennen keine Ländergrenzen. Menschen, die nicht geimpft sind und in bestimmte Länder reisen, setzen sich einer erhöhten Gefahr aus, an einer Infektion zu erkranken.

Für Schutzimpfungen sprechen viele Gründe. Drei wichtige Argumente für Impfungen sind:

  • Sogenannte “Kinderkrankheiten” sind nicht harmlos.
  • Viren und Bakterien kennen keine Ländergrenzen.
  • Infektionskrankheiten sollen weltweit zurückgedrängt werden.

In Deutschland besteht keine Impfpflicht. Jeder Erwachsene kann also für sich und Eltern können für ihre minderjährigen Kinder entscheiden, gegen welche Infektionskrankheiten sie sich und ihre Kinder durch eine Impfung schützen. Hilfe und Sicherheit bei dieser Entscheidung bieten die unterschiedlichen Einrichtungen des Impfsystems.

Die Ständige Impfkommission ist ein Gremium aus Experten und Expertinnen, die Empfehlungen für Impfungen und Impftermine erarbeiten und herausgeben. Ärzte und Ärztinnen richten sich in der Regel nach den aktuellen Empfehlungen der STIKO, die in Deutschland medizinischer Standard sind.

Die von der STIKO empfohlenen Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Autor(en)

Dr. T. Legler/Facharzt für Innere Medizin, Schwerpunkt: Rheumatologie

Veröffentlicht am 03.09.2013.

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